2007: Jahr der Geisteswissenschaften
Schwer wiegt der Vorwurf, bei den kulturwissenschaftlichen Fächern könne man - verglichen mit den Naturwissenschaften - eigentlich so recht keinen Nutzen erkennen. Also ein umfangreiches Sparpotenzial, wo wir doch kein Geld mehr haben.
Kulturwissenschaftler hassen es, wenn man sie unter "rein ökonomischen Gesichtspunkten" anschaut. Der Soziologe Harald Welzer hat (für die "Zeit") den Blick gewagt und erstaunliches gefunden: die "Kulturwirtschaft" in Deutschland (Galerien, Verlage, Theater etc.) schafft pro Jahr einen Wert von 35 Millarden Euro, und liegt damit als volkswirtschaftlicher Bereich zwischen Software-Industrie und Energiewirtschaft. Gefunden im Perlentaucher
Kulturwissenschaftler hassen es, wenn man sie unter "rein ökonomischen Gesichtspunkten" anschaut. Der Soziologe Harald Welzer hat (für die "Zeit") den Blick gewagt und erstaunliches gefunden: die "Kulturwirtschaft" in Deutschland (Galerien, Verlage, Theater etc.) schafft pro Jahr einen Wert von 35 Millarden Euro, und liegt damit als volkswirtschaftlicher Bereich zwischen Software-Industrie und Energiewirtschaft. Gefunden im Perlentaucher
rosawolke - 25. Jan, 12:01
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schue (Gast) - 25. Jan, 22:55
Kultur anwenden
Geisteswissenschaftler lehnen traditionell die Ökonomie ab, weil sie die Kultur keinem Nutzen unterwerfen wollen - na schön, das ist das empfindsame Tänzeln im Elfenbeinturm, zu der eine uralte Melodie abgestandener Künstlerromane krächzt. Darum hatten wir alten Germanistikstudenten auch so große Skrupel, endlich einmal nach der hundersten Lektüre einer Lyrikpassage den Rilkeband zuzuklappen und sich in eine Vorstandssitzung eines Unternehmens zu setzen, um ein exzellentes Protokoll zu verfassen. Denn dort müssen sich die Kulturwissenschaften einnisten, wo die Wirtschaft laut nach einer "Firmenkultur" ruft.
Dies ist ein anderer Ansatz, als durch die Wertschöpfung einer "Kulturwirtschaft" (die es ja schon immer gegeben hat durch Buchproduktionen, Konzertkarten, CD-Produkten etc.) nun nachgewiesen soll, dass Kultur auch wirtschaftlich ein Eigengewicht hat.
Der Beitrag der Geisteswissenschaften sollte deshalb eher in aktiven Feldern der Kommunikation, Präsentation, Öffentlichkeitsarbeit oder Dokumentation gesehen werden, die alle auf kulturelle Konzepte und Formgestaltungen angewiesen sind und danach auch verlangen. Hier müssen sich Germanisten, Kulturwissenschaftler, Kunsthistoriker etc. viel stärker anbieten, wobei sie freilich den Mut aufbringen sollten, sich nicht darauf zu kaprizieren, in ihren traditionellen Kulturbereichen arbeiten zu wollen, sondern in der Wirtschaft, Verwaltung, Politik etc. auch mal den Paradiesvogel spielen zu müssen.
Übrigens: Als Blogautor mit geisteswissenschaftlicher Ausbildung ist es für mich immer wieder faszinierend, wie sich im weltweiten Netz ein kleines Stück Charlottenburg zwischen Eichkamp und Siedlung Heerstraße (Kurländer Platz) darstellen und einen Reichtum von Kommunikation entfalten kann, was letztlich eine Fortsetzung des Briefromans des 18. Jahrhunderts, der Salonkultur des 19. Jahrhunderts, der Essayistik der 20er Jahre und vieler weiterer kulturhistorischer Vorläufer ist. 2007 als Jahr der Geisteswissenschaften sollte auch ein Anlass sein, über Anwendungen der Kultur zu diskutieren.
Dies ist ein anderer Ansatz, als durch die Wertschöpfung einer "Kulturwirtschaft" (die es ja schon immer gegeben hat durch Buchproduktionen, Konzertkarten, CD-Produkten etc.) nun nachgewiesen soll, dass Kultur auch wirtschaftlich ein Eigengewicht hat.
Der Beitrag der Geisteswissenschaften sollte deshalb eher in aktiven Feldern der Kommunikation, Präsentation, Öffentlichkeitsarbeit oder Dokumentation gesehen werden, die alle auf kulturelle Konzepte und Formgestaltungen angewiesen sind und danach auch verlangen. Hier müssen sich Germanisten, Kulturwissenschaftler, Kunsthistoriker etc. viel stärker anbieten, wobei sie freilich den Mut aufbringen sollten, sich nicht darauf zu kaprizieren, in ihren traditionellen Kulturbereichen arbeiten zu wollen, sondern in der Wirtschaft, Verwaltung, Politik etc. auch mal den Paradiesvogel spielen zu müssen.
Übrigens: Als Blogautor mit geisteswissenschaftlicher Ausbildung ist es für mich immer wieder faszinierend, wie sich im weltweiten Netz ein kleines Stück Charlottenburg zwischen Eichkamp und Siedlung Heerstraße (Kurländer Platz) darstellen und einen Reichtum von Kommunikation entfalten kann, was letztlich eine Fortsetzung des Briefromans des 18. Jahrhunderts, der Salonkultur des 19. Jahrhunderts, der Essayistik der 20er Jahre und vieler weiterer kulturhistorischer Vorläufer ist. 2007 als Jahr der Geisteswissenschaften sollte auch ein Anlass sein, über Anwendungen der Kultur zu diskutieren.
rosawolke - 26. Jan, 11:49
in der Praxis
arbeiten die mir bekannten selbständigen Lektorinnen schon längst für Unternehmen: etwa die Hälfte der Aufträge sind Übersetzung, Redaktion, Buchproduktion gegen die "andere Hälfte" PR-Arbeit für Unternehmen bis hin zur Existenzgründerinnen-Beratung... Wo es dann wieder kulturhistorisch interessant wird: ein Firmenarchiv einrichten.
Blogs als Salonkultur? hat auch was ;-)
Blogs als Salonkultur? hat auch was ;-)
Macsico - 27. Jan, 03:52
Als jemand aus der Ecke
der Dokumentation stimme ich diesem Kommentar gerne zu.
In meiner breiten Firmenpraxis ist es mir in den letzten Jahren immer häufiger untergekommen, daß die PC-Speicherung genau zum Gegenteil des Erwünschten geführt hat.
EDV-gestützte Datenfriedhöfe einerseits, und andererseits keine strukturierte Ablage der eigenen Druckerzeugnisse ziehen sich wie ein roter Faden durch die moderne Wirtschaft. Sprich: diese Firmen haben keine nachvollziehbare Historie außerhalb von Buchhaltung und Rechtsabteilung.
Macht Wissensmanagement in solchen Firmen eigentlich überflüssig, da man ja bereits bewiesen hat, was man von eigenen Wissen hält - nichts.
Gleichzeitig musste ich mir auf dem Arbeitsmarkt abhören, daß man "sowas" ja nicht wirklich brauchen würde. Bloß putzig, daß dann fürs nochmalige Erstellen/Beschaffen in solchen Firmen schon Geld ausgegeben wurde ...
In meiner breiten Firmenpraxis ist es mir in den letzten Jahren immer häufiger untergekommen, daß die PC-Speicherung genau zum Gegenteil des Erwünschten geführt hat.
EDV-gestützte Datenfriedhöfe einerseits, und andererseits keine strukturierte Ablage der eigenen Druckerzeugnisse ziehen sich wie ein roter Faden durch die moderne Wirtschaft. Sprich: diese Firmen haben keine nachvollziehbare Historie außerhalb von Buchhaltung und Rechtsabteilung.
Macht Wissensmanagement in solchen Firmen eigentlich überflüssig, da man ja bereits bewiesen hat, was man von eigenen Wissen hält - nichts.
Gleichzeitig musste ich mir auf dem Arbeitsmarkt abhören, daß man "sowas" ja nicht wirklich brauchen würde. Bloß putzig, daß dann fürs nochmalige Erstellen/Beschaffen in solchen Firmen schon Geld ausgegeben wurde ...
rosawolke - 28. Jan, 12:03
einen eher
deprimierenden Artikel zum Thema gibt es heute im Tagesspiegel. Nützlich im ökonomischen Sinn ist z.B. die Germanistik sehr wohl - aber genügt sie noch eigenen (wissenschaftlichen) Ansprüchen?
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